
Surfen, Kiten & mehr
Surfen, Kiten und Wassersport an der Ostsee
Fehmarn zählt zu den besten Wassersport-Revieren der deutschen Ostsee. Der Wind ist der Grund.
Mehrere Plätze haben eine eigene Surf- und Kiteschule direkt am Strand, für den ersten Stehversuch genauso wie für alle, die schon länger dabei sind. SUP, Segeln und Tauchen gibt es ebenfalls.
Wind statt Welle
Wer vom Surfen an der Ostsee spricht, meint fast nie Wellenreiten. Der Ostsee fehlt die offene Fläche, über der sich eine lange Dünung aufbauen könnte. Was entsteht, ist kurze, steile Kabbelwelle, die mit dem Wind kommt und mit ihm wieder verschwindet.
Das klingt nach Nachteil, ist aber der Grund, warum das Revier funktioniert. Für Windsurfen, Kiten und Wingfoilen brauchst du Wind, keine Dünung. Und Wind hat die Ostsee zuverlässig, gerade an der schleswig-holsteinischen Küste.
Praktisch heißt das: Du planst nicht nach Wellenvorhersage, sondern nach Windvorhersage. Und du schaust nicht nur auf die Stärke, sondern vor allem auf die Richtung.
Die Windrichtung ist wichtiger als die Windstärke
Für Einsteiger ist das die entscheidende Lektion, und sie wird auf Websites selten deutlich genug gesagt. Ablandiger Wind, der vom Land aufs Wasser weht, treibt dich hinaus. Er fühlt sich am Ufer harmlos an, weil das Wasser dort glatt ist, und wird mit jedem Meter stärker. Wer sein Material verliert, kommt gegen ihn nicht zurück.
Auflandiger Wind drückt dich ans Ufer. Das ist sicherer, bringt dafür Shorebreak und macht den Start unruhig. Am angenehmsten ist Seitenwind, der parallel zur Küste läuft: Du kommst raus und wieder zurück, ohne gegen den Wind kämpfen zu müssen.
Jeder Spot hat deshalb Richtungen, bei denen er funktioniert, und Richtungen, bei denen man besser zwanzig Minuten weiterfährt. Auf einer Insel ist das ein Vorteil, weil immer eine Seite passt.
Die Spots auf Fehmarn
Fehmarn hat mehrere Reviere, die unterschiedlich funktionieren. Der bekannteste ist die Orther Reede an der Westseite, eine flache, geschützte Bucht mit Stehtiefe über weite Strecken. Genau dieses Stehrevier macht sie zum Anfängergelände: Wer stürzt, steht wieder, statt hinterherzuschwimmen. Die meisten Schulen der Insel arbeiten deshalb dort.
Der Grüne Brink im Norden und die Bucht bei Gold im Südosten sind offener und werden bei entsprechender Richtung von erfahrenen Kitern gefahren. Am Südstrand ist mehr Platz und mehr Betrieb, dafür ist die Infrastruktur besser. An der Westküste zwischen Wallnau und Flügge findest du die ruhigsten Abschnitte.
Weil die Insel rundum Wasser hat, ist die Frage nie, ob der Wind passt, sondern welcher Spot heute dran ist.
Kiten lernen: was dich erwartet
Ein Grundkurs dauert üblicherweise drei bis vier Tage. Er beginnt an Land mit einem kleinen Lenkdrachen, geht dann ins flache Wasser zum Bodydragging und endet, wenn es gut läuft, mit den ersten gefahrenen Metern auf dem Board. Wer nach dem Kurs selbstständig hin- und herfährt, war schnell.
Ohne Kurs anzufangen ist an der Ostsee keine gute Idee und auf vielen Abschnitten auch nicht geduldet. Ein Kite entwickelt Zugkräfte, die man ihm im Stand nicht ansieht, und die meisten Unfälle passieren an Land beim Starten und Landen.
Windsurfen ist der langsamere, aber ungefährlichere Einstieg. Du bist von Anfang an auf dem Wasser, das Material bleibt bei dir, und ein Fehler endet mit nassen Haaren statt mit einem unkontrollierten Zug. Wingfoilen liegt dazwischen und hat den Vorteil, dass es schon bei wenig Wind funktioniert.
Stand-up-Paddling: unterschätzt, aber nicht harmlos
SUP ist der einfachste Einstieg aufs Wasser und deshalb der Sport, bei dem an der Küste am häufigsten die Seenotretter ausrücken müssen. Der Grund ist fast immer derselbe: ablandiger Wind. Auf einem Board mit großer Angriffsfläche versetzt er dich schneller, als du zurückpaddeln kannst.
Die Regel dafür ist einfach. Bei Wind vom Land bleibst du an Land. Ansonsten paddelst du früh am Morgen, wenn die Ostsee oft spiegelglatt liegt und der thermische Wind noch nicht eingesetzt hat. Eine Leash gehört ans Board, auch wenn es albern aussieht.
Material mitnehmen oder vor Ort leihen
Wer mit dem Wohnwagen anreist, nimmt sein Material ohnehin mit. Für alle anderen lohnt die Rechnung: Ein Leihtag kostet einen Bruchteil dessen, was Transport und Platz im Fahrzeug wert sind, und du fährst aktuelles Material statt deines zehn Jahre alten Segels.
Der eigentliche Vorteil beim Leihen vor Ort ist die Beratung. Wer den Spot kennt, sagt dir, welche Größe heute passt, und das spart mehr Zeit als jede Vorhersage-App.
Mehrere Campingplätze auf Fehmarn haben eine eigene Schule direkt am Strand. Das ist der praktischste Fall: Du stehst zwanzig Meter vom Material entfernt und kannst abends noch einmal raus, wenn der Wind einschläft.
Regeln und Rücksicht
An der Ostseeküste liegen Wassersportreviere und Naturschutzgebiete oft dicht beieinander. In Vogelschutz- und Rastgebieten ist Kiten und Surfen eingeschränkt oder verboten, und das ist keine Schikane: Rastende Zugvögel reagieren auf einen Kite wie auf einen Greifvogel und fliegen auf.
Dazu kommen die Badebereiche. Zwischen den Bojen gehört das Wasser den Schwimmern, und ein Kite hat dort nichts verloren. Wo die Grenzen verlaufen, steht am Strandaufgang oder hängt an der Station der Schule.
Wann der Wind am besten weht
Die windreichsten Monate liegen im Herbst und im Frühjahr. Von September bis November zieht regelmäßig eine Front durch, im März und April ebenso. Wer dem Wind hinterherfährt, kommt in dieser Zeit.
Im Hochsommer ist es unbeständiger. Es gibt Tage mit kaum Bewegung und Tage mit gutem thermischem Wind am Nachmittag, der gegen Abend wieder einschläft. Für Einsteiger ist das ideal, weil die Bedingungen berechenbar bleiben.
Häufige Fragen
- Kann man an der Ostsee surfen?
- Wellenreiten kaum, Windsurfen, Kiten und Wingfoilen sehr gut. Der Ostsee fehlt die lange Dünung, dafür weht zuverlässig Wind. Geplant wird deshalb nach Windvorhersage statt nach Wellenvorhersage.
- Wo kann man auf Fehmarn am besten kitesurfen?
- Für Einsteiger ist die Orther Reede an der Westseite die erste Adresse: flaches, weitgehend stehtiefes Wasser in einer geschützten Bucht. Erfahrene Kiter fahren je nach Windrichtung am Grünen Brink im Norden oder bei Gold im Südosten.
- Wie lange dauert ein Kitesurf-Grundkurs?
- Üblich sind drei bis vier Tage. Der Kurs beginnt an Land mit einem kleinen Lenkdrachen, führt über Bodydragging im flachen Wasser zu den ersten gefahrenen Metern auf dem Board.
- Welche Windrichtung ist zum Surfen gefährlich?
- Ablandiger Wind, der vom Land aufs Wasser weht. Am Ufer wirkt er harmlos, weil das Wasser dort glatt ist, und nimmt mit jedem Meter zu. Wer Material verliert, kommt gegen ihn nicht mehr zurück. Auflandiger und seitlicher Wind sind deutlich sicherer.
- Wann ist die beste Zeit zum Surfen an der Ostsee?
- Herbst und Frühjahr bringen den meisten Wind, etwa von September bis November und noch einmal im März und April. Der Hochsommer ist unbeständiger, hat dafür oft berechenbaren thermischen Wind am Nachmittag, was Einsteigern entgegenkommt.
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Jeder Platz auf Fehmarn hat seinen eigenen Charakter. Schau dir in Ruhe alle an und finde den, der zu dir passt.
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