
Ganzjährig geöffnet
Wintercamping an der Ostsee
Im Winter sieht Fehmarn völlig anders aus: leere Strände, klare Luft, und die Sonnenuntergänge fallen kräftiger aus als im Hochsommer. Wer das einmal erlebt hat, kommt oft wieder in dieser Jahreszeit.
Mehrere Plätze auf der Insel machen im Winter nicht zu. Beheizte Sanitärgebäude, Strom am Platz, teils Sauna. Für Wohnmobil-Reisende, die die Ostsee lieber ohne Trubel haben.
Was beim Wintercamping wirklich zählt
Die meisten Listen zum Wintercamping fangen bei der Ausrüstung an. Das ist die falsche Reihenfolge. Wer im Winter zum ersten Mal auf dem Platz steht, scheitert selten am fehlenden Zubehör, sondern an drei Dingen: Der Gasvorrat reicht nicht, die Scheiben laufen von innen an, und die Wasserleitung friert in der ersten kalten Nacht ein.
Alle drei Probleme sind lösbar, wenn man sie vorher kennt. Danach ist Wintercamping erstaunlich unspektakulär.
Gas: rechne mit deutlich mehr, als du denkst
Im Sommer hält eine 11-Kilo-Flasche mehrere Wochen. Im Winter heizt du damit ungefähr eine Woche, bei Dauerfrost auch mal nur fünf Tage. Als Faustregel kannst du mit rund einem Kilo Gas pro Tag rechnen, sobald die Heizung durchläuft.
Daraus folgt zweierlei. Erstens: Zwei Flaschen an Bord, nicht eine. Eine leere Flasche mitten in der Nacht ist der Klassiker. Zweitens: Kläre vorher, wo du auf oder in der Nähe des Platzes tauschen kannst. Zwischen den Jahren haben viele Tankstellen und Baumärkte eingeschränkt geöffnet.
Wer eine Gasdruckregleranlage mit automatischer Umschaltung hat, macht sich das Leben leichter. Die schaltet bei leerer Flasche selbst auf die zweite um, und du merkst es erst, wenn du die Anzeige siehst.
Kondenswasser ist das eigentliche Problem
Vier Menschen geben pro Nacht mehrere Liter Feuchtigkeit an die Luft ab, allein durch Atmen. Dazu kommen Kochen, Duschen und nasse Jacken. Diese Feuchtigkeit muss raus, sonst schlägt sie sich an der kältesten Stelle nieder: an den Fensterrahmen, in den Ecken, hinter den Polstern.
Heizen und Lüften sind dabei kein Widerspruch, sondern gehören zusammen. Die Dachluke einen Spalt offen lassen und die Zwangsentlüftung frei halten kostet weniger Gas, als man befürchtet, weil trockene Luft sich schneller erwärmt als feuchte.
Wäsche trocknet im Winter nicht im Wohnwagen. Sie gibt ihre gesamte Feuchtigkeit an den Innenraum ab. Wenn der Platz einen Trockenraum hat, nutz ihn.
- Polster von der Außenwand abrücken, damit Luft dahinter zirkuliert
- Morgens einmal kräftig durchlüften, fünf Minuten reichen
- Fenster und Ecken abwischen, statt zu warten, bis sie schimmeln
- Nasse Schuhe und Jacken ins Vorzelt, nicht in den Wohnraum
Wasser und Abwasser bei Frost
Der Frischwasserschlauch nach draußen friert zuerst ein, dann der Abwasserschlauch, dann der Abwassertank. Wer im Winter steht, arbeitet deshalb meist mit Kanistern statt mit Festanschluss und leert das Abwasser direkt in einen Eimer, der nicht über Nacht draußen stehen bleibt.
Ein beheizter Abwassertank hilft, ist aber nicht in jedem Fahrzeug verbaut. Wenn du unsicher bist: Abwasserhahn nachts offen lassen und einen Eimer unterstellen. Ein gefrorener Tank ist teurer als ein voller Eimer.
Strom: was 6, 10 und 16 Ampere bedeuten
Die Stromsäule auf dem Platz ist oft mit 6 oder 10 Ampere abgesichert, seltener mit 16. Bei 230 Volt sind das rund 1.380, 2.300 beziehungsweise 3.680 Watt. Das klingt nach viel, ist es aber nicht, sobald ein Heizlüfter läuft.
Ein üblicher Heizlüfter zieht 2.000 Watt. Damit ist eine 10-Ampere-Säule schon fast ausgereizt, und der Wasserkocher wirft dir die Sicherung. Wer elektrisch zuheizen will, sollte vorher fragen, womit der Platz abgesichert ist, und im Zweifel ein Gerät mit Leistungsstufen nehmen.
Warum die Ostsee im Winter anders ist als die Berge
Wintercamping wird meistens mit Schnee und Alpenpanorama bebildert. An der Ostsee sieht es anders aus, und für viele ist das der eigentliche Reiz. Das Meer wirkt als Wärmespeicher, weshalb die Küste selten so tief in den Frost rutscht wie das Binnenland. Dafür kommt der Wind ungebremst.
Praktisch heißt das: Du brauchst weniger Frostschutz als im Gebirge, aber mehr Windschutz. Ein sturmfest abgespanntes Vorzelt ist an der Küste wichtiger als eine extra Isoliermatte unter dem Boden. Und du solltest wissen, aus welcher Richtung es weht, bevor du dich ausrichtest.
Der zweite Unterschied ist die Leere. Ein Ostseestrand im Januar gehört im Zweifel dir allein. Wer schon einmal bei fünf Grad und Sonne über einen menschenleeren Strand gelaufen ist, versteht, warum manche Camper genau dafür im Winter fahren.
Was man im Winter an der Küste macht
Die ehrliche Antwort: weniger als im Sommer, und genau das ist der Punkt. Die Tage sind kurz, das Programm ist es auch. Ein langer Strandspaziergang, mittags irgendwo einkehren, nachmittags Sauna oder Therme, abends früh im Warmen sitzen.
Wenn es stürmt, ist die Brandung an einer Steilküste ein Schauspiel für sich. Auf Fehmarn ist der Abschnitt bei Katharinenhof dafür der beste Platz. Und der Vogelzug macht keine Winterpause: An den Rastgebieten der Küste ist zwischen Herbst und Frühjahr durchgehend etwas los.
Was „ganzjährig geöffnet“ tatsächlich bedeutet
Ganzjährig geöffnet heißt nicht, dass alles offen ist. Auf vielen Plätzen läuft im Winter ein reduzierter Betrieb: Ein Sanitärgebäude ist beheizt, die anderen sind zu. Der Laden hat verkürzt auf, das Restaurant vielleicht nur am Wochenende. Manche Plätze machen zwischen Anfang Januar und Ostern eine kurze Pause, obwohl sie als Ganzjahresplatz geführt werden.
Ruf im Zweifel an. Ein Anruf beantwortet in zwei Minuten, was auf keiner Website steht: ob die Sanitäranlagen beheizt sind, ob Wasser an der Parzelle anliegt, und ob im Januar außer dir noch jemand da ist.
Häufige Fragen
- Was ist beim Wintercamping zu beachten?
- Die drei Punkte, an denen es am häufigsten scheitert, sind Gasvorrat, Kondenswasser und einfrierendes Wasser. Rechne mit rund einem Kilo Gas pro Tag und nimm eine zweite Flasche mit. Lüfte trotz Heizung täglich, sonst schlägt sich die Feuchtigkeit an Fenstern und in den Ecken nieder. Und arbeite bei Frost lieber mit Kanistern als mit fest angeschlossenen Schläuchen.
- Wie kalt wird es beim Wintercamping an der Ostsee?
- Deutlich weniger kalt als im Binnenland oder in den Mittelgebirgen. Das Meer speichert Wärme und puffert die Extreme ab, Dauerfrost über mehrere Tage ist an der Küste die Ausnahme. Dafür weht der Wind kräftiger, weshalb die gefühlte Temperatur oft unter dem Thermometerwert liegt.
- Braucht man für Wintercamping einen speziellen Wohnwagen?
- Nein, aber es macht einen Unterschied. Wintertaugliche Fahrzeuge haben eine bessere Isolierung, beheizte Abwassertanks und im Boden verlegte Warmluftkanäle. Mit einem normalen Wohnwagen geht es trotzdem, wenn du mehr heizt, konsequenter lüftest und die Wasserversorgung über Kanister löst.
- Wie viel Strom brauche ich im Winter auf dem Campingplatz?
- Das hängt davon ab, ob du elektrisch zuheizt. Ohne Heizlüfter kommst du auch mit einer 6-Ampere-Säule aus, das sind rund 1.380 Watt. Ein üblicher Heizlüfter zieht allein 2.000 Watt und braucht deshalb mindestens 10 Ampere. Frag vor der Buchung nach der Absicherung.
- Wann ist Wintercamping an der Ostsee am schönsten?
- Zwischen Ende Oktober und Anfang März. Die klarsten Tage liegen meist im späten Herbst und im Februar, wenn die Luft trocken und die Sicht weit ist. Zwischen den Jahren ist es am vollsten, im Januar hast du die Strände praktisch für dich.
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Jeder Platz auf Fehmarn hat seinen eigenen Charakter. Schau dir in Ruhe alle an und finde den, der zu dir passt.
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